Der Panther

Dieses Gedicht schmerzt, schmerzt unendlich. Sie können richtig spüren, wie der stolze Panther nur noch ein Schatten, ein gebrochener Schatten seiner selbst ist. Unerträglich! Doch der Panther hört nicht auf, Panther zu sein. Lassen Sie mich ihn erlösen! (Original: Rainer Maria Rilke, Die Gedichte, S. 451; Insel-Taschenbuch; nach „hört im Herzen auf zu sein.“ beginnt meine Ergänzung)

Der Panther

Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe
so müd geworden, daß er nichts mehr hält.
Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe
und hinter tausend Stäben keine Welt.

Der weiche Gang geschmeidig starker Schritte,
der sich im allerkleinsten Kreise dreht,
ist wie ein Tanz von Kraft um eine Mitte,
in der betäubt ein großer Wille steht.

Nur manchmal schiebt der Vorhang der Pupille
sich lautlos auf –. Dann geht ein Bild hinein,
geht durch der Glieder angespannte Stille –
und hört im Herzen auf zu sein.

Ein Zauberwesen blickt ihn durch die Stäbe an,
schwarz, wie er es selbst immer war und ist,
regt in ihm das Pulsieren seines Herzens dann
durch den Sternenstaub, er sagt: du bist!

Zwei Worte, er niemals sprach, er faucht –
das Gefängnis verdichtet auf einen Punkt:
er verneigt sich, ist noch gefangen, raucht!
Seine weißen Zähne, die Scharfen - es funkt,

ein Lichtbogen sich spannt - sie blitzen.
Von ihr zu ihm, von ihm zu ihr, gleißend!
Alle Barrieren schmelzen, in der Hitzen
heißer Plasmakern, die Welt weißelnd.

Nur noch schwarz und weiß,
zwei Herzen
rot
vereint.

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