Schreibmaschine

Ich dachte, ich wäre mit meinem Rechner verheiratet – denn ich schreibe mit ihm. Diese Liason beende ich natürlich nicht, aber von großer Liebe, wie es einmal war, kann man nicht mehr sprechen: mein Laptop ging kaputt und ich musste mir eine Alternative suchen; ich griff zu einer elektrischen Schreibmaschine. Und siehe da: das Schreiben machte wieder Spaß – wobei ich mich an eine alte Liebe erinnerte!

Als Kind spielte ich mit einer Schreibmaschine und ging im Keller meiner Eltern auf die Suche: noch nach nicht mal einer Viertelstunde konnte ich mein Baby in den Händen halten: eine Gossen-Tippa-Reiseschreibmaschine mit Bakelittasten – herrlich! Vollkommen mechanisch, Stromausfälle, Akkulaufzeit, Dateien-Wirrwarr? Nichts mehr der gleichen, dafür aber jeder Buchstabe ein Unikat und absolutes old-skool-feeling.

Briefe, an Personen, die mir wichtig sind, schreibe ich nun mit der Schreibmaschine – das Schreiben mit einer Schreibmaschine macht einen Unterschied, der nicht zu vernachlässigen ist.  Ich bin fast dankbar, dass mein Rechner nicht mehr ging – ansonsten wäre ich nie darauf gekommen, mal anders zu schreiben.  Schreiben ist eine sinnliche Erfahrung, und wie man schreibt, beeinflußt das, was man schreibt.

Ich glaube nicht, dass mich die Schreibmaschine zu einem besseren Schreiberling macht – aber ich glaube, jeder Schriftsteller sollte sowas besitzen, denn es hat »Style«,  man ist dann von den Unwägbarkeiten des PC-Alltags geschützt und kann überall, auch in der Wildnis, in die Tasten hauen. Vielleicht eröffne ich ja irgendwann einen Schreibwarenladen – hauptsächlich bestückt mit Schreibware, die analog funktioniert.