Ratten

Nicht Lese‑ sondern Schreibratte bin ich! Andere lesen ein Buch von 1400 Seiten in zwei Wochen durch (unmöglich für mich) ich schreibe ein Buch von 120 Seiten in ein paar Tagen. Ob das so gesund ist, soviel zu schreiben? Sie sehen anhand dessen, was ich sublimiere – einen solchen starken Trieb haben normalerweise nur Tiere.

Sich vermehren wollen? Nein, ich will nur den Akt! Warum sind Sie zu mir, der das offen ausspricht, ablehnend? Zu anderen sind Sie handzahm– frau höre die ganzen Rapper; anscheinend benötigt man nur einen hohen Status, und dann ist alles in Ordnung.

Wenn Sie auf Status aus sind, kann ich Ihnen dahingehend nichts bieten – nur Worte, geformt zu einem Gedicht schreibe ich Ihnen NACH dem Liebesspiel. Ich habe gelernt, dass man männliche Hingabe nur NACH weiblicher Hingabe vollziehen darf, ansonsten wirds lächerlich.

Das ist nun gar nicht Gentlemanlike, werden sie einwenden und Sie haben recht – jedoch ich lernte aus meinen Fehlern. Worte zu einem Gedicht formen kann jeder – denn ein Gedicht spürt man eher, als dass man es liest oder hört. Was andres ist, wenn man verlegt ist: dann gehört Lyrik zum Vorspiel; Elfchen sage ich Ihnen auch so auf – ich habe einen unendlichen Vorrat davon.

Ohne Schreibratten keine Leseratten! Auch wenn Sie, der Leser, dem Schreiberling Lebenszeit schenken, bilden Sie sich bitte nichts darauf ein, der Schreiberling, so ists bei mir, schenkt Ihnen etwas genauso wertvolles: sein schwarzes Blut, gemeißelt in weiß.