Lektorate
Man glaube es nicht: der Lektor soll ein Freund des Schreibenden sein; vielleicht trifft das auf Schriftsteller zu, die bereits verlegt sind. Als unbedarfter Schreiberling jedoch sind Lektoren erstmal die Verteidiger auf der Burg des Verlages, den man einzunehmen gedenkt. Wenn man nun schwerbewaffnet (Skript) diese Festung stürmen will, holt man sich unweigerlich eine blutige Nase. Sowas mache ich ungern, aber ab und zu muss das schon sein!
Blutige Nasen werden Sie viele wegstecken müssen – auch »Harry Potter« landete erst spät, aber dafür gewaltig, wenn die Sage stimmt, das Frau Rowling 20 Verlage abgraste. Natürlich, das Risiko, dass Sie Ihr Leben lang nicht landen werden, ist hoch. Eine Schriftstellerin sagte, dass erst, wenn man sich vor dem Misserfolg nicht fürchtete, der Erfolg sich einstellt.
Ich sehe das anders: Fürchte Dich nicht vor dem Misserfolg, setze ihn voraus und du KANNST erfolgreich sein. Es ist ein Konjunktiv, eine Möglichkeit, nicht mehr. Zwingend Erfolg haben? Es gibt keine Erfolgsgarantie – niemals; und wenns einmal klappte, kann der zweite Anlauf versemmelt werden bis zum geht nicht mehr.
Nichts geht immer – viele Autoren müssen neben dem Schreiben noch andre Arbeit verrichten, damit sie über die Runden kommen. Bei mir ists so, dass ich gerne mit sehr wenig auskomme, wenn ich dafür Schreiben kann bis zum Abwinken; bis zum Abwinken erhalten auch die Lektoren Material – da bin ich schon froh, wenn überhaupt was kommt, und wenns sein muss, eine Absage.
Ich stellte mir das Leben mit Lektor toll vor – es dürfte natürlich kein Lektor vom Schlage Sartres Lektor sein: nur streichen, obwohl selbst der Verlagschef alles super findet. Ich hoffe natürlich auf einen weiblichen Lektor und einen weiblichen Verlagschef, einen Verlag nur von Frauen betrieben, denen ich vermag mich hinzugeben in Trieben. Jaja, immer diese Utopien!
Zuletzt aktualisiert: 19.02.12