Annahmen
Was nehmen Sie an? Dass ich leichte Beute wäre? Da liegen Sie ganz daneben, frau muss mich mit List und Tücke an sich binden – mich dressieren, konditionieren. Am einfachsten gehts durch einen Kuss – und mehr; wollten Sie das? Das wollen wir beide nicht, ansonsten wäre Ihre Hingabe etwas Berechnendes, was ich gar nicht möchte; Sie müssen kühl und berechnend sein, damit ich Sie begehre – nur in der Liebe nicht.
Gibt es da draußen ein Weib, das ich begehre und das mich will? Die Erfahrung lehrt Gegenteiliges, aber was ist denn schon die Erfahrung, wenn es um Liebesdinge geht? Die Erfahrung lehrt, was möglich ist, was nicht; die Erfahrung lehrt, wie man sich verhalten muss; die Erfahrung – nach Ihnen mein größter Schatz. Natürlich, Sie werden sagen, das ist ganz schön widerlich – was sind die anderen Menschen? Menschen und Erfahrung mag ich nicht vergleichen, aber auch Menschen sind vergänglich, die Erfahrung mit ihnen jedoch nicht. Mir gibt meine Erfahrung auch vor allem eines: Hoffnung – auf Sie, auf ein schönes Leben zu Zweit. Dieses als Prämisse annehmen?
Eine solche Annahme schließe ich nicht mehr aus, halte sie aber für unwahrscheinlicher als einen Lottogewinn – was will ich im Lotto gewinnen, wenn ich Sie haben könnte? Bei mir ging es immer absurd zu, aber in letzter Zeit häufen sich die Absurditäten. Etwas verschwindet, etwas taucht auf – und ich habe keinen Einfluß darauf; oder ich gebe mein Passwort zur Hälfte ein und das Programm startet; usw. – usf.
Ich gebs auf und füge mich meinem Schicksal – unbeweibt durch die Gegend zu laufen. Meinen Sie, das fiele mir leicht und ich hätte Spaß am Zölibat? Weit gefehlt! Wenns einigermaßen passt, spreche ich Sie auch an; das kostet mich viel Überwindung.
Zuletzt aktualisiert: 19.09.09