Determinismus, freier Wille und Identität

Ich schlug anfang meines, zur Zeit unterbrochenen ,Sozialpädagogikstudiums dieses Thema für eine Studienarbeit vor: der Professor schüttelte den Kopf und meinte, ich solle es mir fürs Diplom aufheben. Und da Professoren immer Recht haben, sah ich es irgendwann auch ein.

Ich glaube, wir benötigen beide Modelle: eines, um zu erklären (Determinismus) und eines, um zu verändern (freier Wille). Das Letztere funktioniert nicht, wenn wir uns den Mechanismen unserer Handlungen nicht bewußt sind – Wissen schafft Freiheit – und kann man eine Entscheidung als frei ansehen, wenn wir sie nicht reflektieren können?

Freier Wille und Determinismus – entgegengesetztere Positionen gibt es wohl nicht. Freier Wille, Freiheit, ist, so glaube ich, uns Menschen nicht in die Wiege gelegt – dazu sind wir zusehr Tier. Freier Wille ist ein Ergebnis der eigenen Persönlichkeitsentwicklung, auch des Denkens.

Henry Ford sagte einmal, dass das Denken eine der schwersten Arbeiten sei: deshalb täten es so wenige. Denken Sie und dennoch, bleiben Sie Ihren Gefühlen verhaftet. Gefühle sind Gedanken und Gedanken sind Gefühle – beides losgelöst voneinander? Das wäre ein schlechter Ratgeber, da Sie sonst nicht als Einheit entscheiden könnten.

»Nicht denken« heißt es im Zen – aber um zu einem solchen Zustand der wachsamen Gedankenlosigkeit zu gelangen, werden Sie Ihren Kopf zerbrechen; zum Beispiel bei einem Koan, die man als Westler eigentlich immer auf der Ebene des Verstandes zu lösen versucht.

Wenn Sie verstehen, warum Sie so sind, wie Sie sind können Sie sich verändern, Richtungen vorgeben, in die Sie gehen wollen. Das Wissen, woher man kommt, ermöglicht einem zu entscheiden, wohin man will.