Dilettantismus

„Im tollen Wahn hatt‘ ich dich einst verlassen,

Ich wollte gehn die ganze Welt zu Ende,
Und wollte sehn ob ich die Liebe fände,
Um liebevoll die Liebe zu umfassen.

Die Liebe suchte ich auf allen Gassen,

Vor jeder Thüre streckt‘ ich aus die Hände,
Und bettelte um gringe Liebesspende, –
Doch lachend gab man mir nur kaltes Hassen.

Und immer irrte ich nach Liebe, immer

Nach Liebe, doch die Liebe fand ich nimmer,
Und kehrte um nach Hause, krank und trübe.

Doch da bist du entgegen mir gekommen,

Und ach! was da in deinem Aug‘ geschwommen,
Das war die süße, langgesuchte Liebe.“

Ein dilettantisches Gedicht, oder? Wissen Sie, das Problem daran ist, dass dieses Gedicht von einem Könner stammt: Heinrich Heine.