Dilettantismus
„Im tollen Wahn hatt‘ ich dich einst verlassen,
- Ich wollte gehn die ganze Welt zu Ende,
- Und wollte sehn ob ich die Liebe fände,
- Um liebevoll die Liebe zu umfassen.
Die Liebe suchte ich auf allen Gassen,
- Vor jeder Thüre streckt‘ ich aus die Hände,
- Und bettelte um gringe Liebesspende, –
- Doch lachend gab man mir nur kaltes Hassen.
Und immer irrte ich nach Liebe, immer
- Nach Liebe, doch die Liebe fand ich nimmer,
- Und kehrte um nach Hause, krank und trübe.
Doch da bist du entgegen mir gekommen,
- Und ach! was da in deinem Aug‘ geschwommen,
- Das war die süße, langgesuchte Liebe.“
Ein dilettantisches Gedicht, oder? Wissen Sie, das Problem daran ist, dass dieses Gedicht von einem Könner stammt: Heinrich Heine.
Zuletzt aktualisiert: 04.05.10