Kaiserliches

»Dem Menschen, der von den wahren Grundsätzen völlig durchdrungen ist, genügt auch die kürzeste und <sozusagen> auf der Straße liegende Wahrheit zur Erinnerung an <das Ideal> der Gramlosigkeit und Furchtlosigkeit. So z.B. <die Verse> „Blätter, die einen, schüttet der Wind auf die Erde … so der Menschen Geschlecht“ – Blätter sind auch deine Kinder, Blätter auch die Leute, die <dir> zurufen „Sehr richtig!“ und Beifall klatschen, oder die Gegner, die dich verwünschen oder im geheimen schelten oder verhöhnen, Blätter ebenso auch die Menschen, die unseren Nachruhm übernehmen werden. Denn sie alle „sprossen zur Frühlingszeit neu“ – dann schlägt sie der Wind herunter, und der Wald läßt andere an ihrer Stelle wachsen. Ein kurzes Dasein ist ihnen allen gemeinsam. Aber du fliehst vor allem, jagst nach allem, als ob es ewig dauerte. Über ein kleines, und du wirst entschlafen. Den aber, der dich hinausträgt, wird bald ein anderer beweinen.«

Marc Aurel, Selbstbetrachtungen

zum Gedicht