Eiskalt

Heute Morgen erwischte es mich eiskalt, ich bemerkte sie erst, als ich mich setzte und gegenüber war eine Dame und ich konnte gar nicht anders als sie zu mustern, intensiv, immer wieder; zur Tarnung schrieb ich etwas. Sie hatte es mir angetan, sie sah so unterkühlt aus – sie blickte überall hin, nur nicht zu mir. Ich ging davon aus, dass dies Absicht war.

Kurz auf diese Erkenntnis schaute sie mich an, Auge in Auge, sekundenlang, bevor ich verschämt nach unten sah und weiterschrieb. Was für ein Gerät! Mir wuchs er leicht – ich spürte es pulsieren; hätte sie mich angelächelt, wäre der Zauber wohl verpufft, ich hätte sie vielleicht angesprochen. So jedoch stieg sie kommentarlos eine Haltestelle später aus.

Das schrieb ich:

Süß

sie sitzt
Blicke treffen einander
hätte sie gerne im

Bett

Lippen umschmeicheln
meinen harten Penis
nur in der Imagination

Scheiße

Jaja, ich und Sie ansprechen? Nur wenn es ein einigermaßen taugliches Setting ist; wenn Sie schweigen, lasse ich Sie in Ruhe – alles andere ist mir zu aufdringlich, auch wenn das vielleicht erfolgversprechend ist, Sie dreist anzugehen; aber sowas widerspricht meinem Taktgefühl!

Also werde ich den Rest meines Lebens unbeweibt durch die Welt tigern – auf der Suche nach der Einen, die alles ist; ein Frauchen, schön wie die Nacht, nachsichtig und streng, liebreizend und süß, sowie kalt wie Eis, das ich schlecken will.